E-Commerce unter Corona. Was bisher geschah und was noch alles passieren wird

Die COVID-19-Pandemie war für zahlreiche Unternehmen und Branchen eine Sackgasse, aus die sie sich nicht mehr herausmanövrieren konnten. Doch gerade der Onlinehandel boomte und profitierte von Lockdown, Homeoffice und Co. Das beweisen die E-Commerce-Statistiken, die nicht nur den Branchenriesen, sondern auch kleineren Einzelhändlern im Internet beeindruckende Wachstumszahlen bescheinigen. Wer ab 2020 besonders profitierte und was Du aus den Statistiken lernen kannst, erfährst Du im folgenden Artikel.

Dank Corona: Umsatzrekorde im Onlinehandel gebrochen



2020 war für die E-Commerce-Riesen Amazon und eBay ein gutes Jahr. Während das von Jeff Bezos gegründete Unternehmen seinen Umsatz im Vergleich zum Jahr 2019 um 38 Prozent auf 386 Milliarden Dollar steigern konnte, durchbrach eBay nach turbulenten Jahren erstmals wieder die Schallmauer von 10 Milliarden Dollar.

Alle Augen richteten sich dennoch auf ein anderes Unternehmen: Shopify. Der kanadische Entwickler von E-Commerce-Software erhöhte seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um stolze 86 Prozent. Das Hauptaugenmerk liegt bei Shopify auf der Entwicklung einer Lösung, mit der es jedem möglich sein soll, innerhalb von nur wenigen Mausklicks einen eigenen Onlineshop an den Start zu bringen. Während auch Größen wie Red Bull und Tesla Shopify nutzen, gehören in erster Linie kleine und mittlere Unternehmen zur Zielgruppe.

Dabei zeichnet sich ein Trend ab. Von rund 10 Billionen Dollar, die im Jahr 2020 im E-Commerce umgesetzt wurden, entstammen 4,2 Billionen Dollar aus dem Bereich E-Retail. Der Verkauf von Produkten macht somit nicht nur einen großen Teil des Internethandels aus, er gilt auch als sichere Bank für den Einzelhandel. Trotz teils monatelanger Schließungen von Geschäften durch die COVID-19-Pandemie brach der globale Umsatz des Einzelhandels nur um drei Prozent ein und belief sich schließlich auf knapp 24 Billionen Dollar.

COVID-19: Fluch und Segen für den E-Commerce



Für viele Branchen war Corona eine Katastrophe – trotz des Onlinehandels. Aufgrund zahlreicher Reisebeschränkungen verzeichnete die Tourismusbranche online 75 Prozent weniger Umsätze. Doch auch die Branchen Möbel und Haushaltsgegenstände (-53 Prozent), Elektronik (-48 Prozent) und Mode (-43 Prozent) litten 2020 stark. Nichtsdestotrotz galt die Fashion-Branche auch im Jahr 2020 als treibende Kraft im Internethandel. Experten prognostizieren, dass sich der Handel mit Mode und Accessoires rasch erholt und bis zum Jahr 2025 die Marke von einer Billion Euro an weltweitem Umsatz im Onlinehandel knackt.

Dass es keine Krise ohne Profiteure gibt, zeigen die E-Commerce-Statistiken jedoch auch. Etwa jeder zweite Online-Shopper hat im Jahr 2020 gewisse Produkte zum ersten Mal über das Internet gekauft. Das bescherte vor allem den Branchen Lebensmittel, Haushaltswaren, Spielzeug und Sportgeräte ein starkes Wachstum – Produkte, die vor allem in der Quarantänezeit gefragt sind. Ebenso bestätigt auch die Hälfte, in der Pandemiezeit mehr online gekauft zu haben. Auch würden 53 Prozent aller Nutzer ihr Online-Kaufverhalten auch nach der Pandemie beibehalten.

Die einfachen Möglichkeiten der Lieferung per Kurierdienst oder des Abstellens vor der Haustür etablierten sich immer mehr. 85 Prozent aller Nutzer gaben laut den Vereinten Nationen an, die Lieferung nach Hause zu bevorzugen. Nur 22 Prozent würden ihre Pakete auch regelmäßig zu Postfilialen und 19 Prozent auch zum Arbeitsplatz liefern lassen.

China führt den Onlinehandel deutlich an



Wenig überraschend liegen die großen Wirtschaftsnationen bei den Umsatzzahlen im E-Retail vorn. Weltführer ist China mit einem Umsatz von 672 Milliarden Dollar, gefolgt von den USA mit 340 Milliarden Dollar. Auf den Plätzen folgen das Vereinigte Königreich, Japan und Deutschland. Doch auch Russland und Brasilien finden sich als Länder mit vergleichsweise geringer Kaufkraft in den Top 10 wieder.

Trotz einer Einwohnerzahl von über 1,3 Milliarden vermisst man Indien im Ranking der stärksten E-Commerce-Märkte. Das könnte sich jedoch bald ändern. Schätzungen der India Brand Equity Foundation ergeben, dass im indischen Markt bis 2026 ein Umsatz von 200 Milliarden Dollar jährlich wahrscheinlich ist. Einer der Gründe dafür ist das Programm "Digital India" der indischen Regierung. Dieses sieht vor, die Digitalisierung und den Ausbau des Internets im südasiatischen Staat massiv voranzutreiben. Schon heute erfolgen 97 Prozent der Internetzugriffe über Mobilgeräte. Dabei gilt Indien als einer der wichtigsten Wachstumsmärkte für den E-Commerce.

Im europäischen Raum sind Großbritannien und Deutschland nach wie vor die wichtigsten Märkte für den Onlinehandel. Einerseits ist natürlich die Einwohnerzahl dafür verantwortlich, dass die beiden Länder mit 99 Milliarden bzw. 73 Milliarden Dollar zum globalen Online-Umsatz beitragen. Dabei shoppen 48,6 Millionen der im Vereinigten Königreich lebenden Menschen regelmäßig online, wobei mit 14,5 Prozent ein vergleichsweise großer Teil der Einzelhandelsumsätze im Internet erzielt wird.

Andererseits geht der Erfolg des E-Commerce in Großbritannien und Deutschland auch auf Amazon zurück. Der Versandhändler, der zunächst als Online-Buchhandel begann, agiert schon seit 1998 in beiden Ländern. In Deutschland gelang Amazon ein leichter Start, schließlich kaufte das Unternehmen den damaligen deutschen Marktführer Telebuch.de für einen zweistelligen Millionenbetrag auf und übernahm sein Geschäft.

2020 wurde für Amazon zum Rekordjahr



Wer an E-Commerce denkt, hat automatisch Amazon im Sinn. Schließlich steht der riesige Versandhändler als Symbol für das Online-Shopping. Was Google für die Suchmaschinenbranche ist, versucht Amazon für das Einkaufen im Internet zu sein. Kein Wunder ist es daher, dass Amazon besonders im Jahr 2020 aufblühte. Der Erfolg der Plattform geht jedoch nicht allein auf die eigenen Produkte, Lager und Mitarbeiter zurück.

Schließlich steht der Amazon-Marktplatz seit dem Jahr 2000 auch Drittanbietern offen – und das schon in über 130 Ländern. Viele kleinere Einzelhändler, die vom Lockdown stark betroffen waren, wichen auf Amazon als lukrativste Verkaufsplattform aus. Jedes zweite Produkt, das auf Amazon angeboten wird, stammt heute von kleinen und mittleren Unternehmen.

Welchen Anteil die Händler an Amazons Erfolg haben, lässt sich am besten zum Prime Day beobachten. Das Event, das Amazons Version des Black Friday darstellt und für massige Rabatte auf der Plattform steht, fand im Jahr 2020 am 13. und 14. Oktober statt. Insgesamt nahm Amazon an diesen beiden Tagen zehn Milliarden Dollar ein. Dabei wurden jedoch ganze 3,5 Milliarden Dollar für Produkte von kleinen und mittleren Unternehmen ausgegeben.

Dieser Erfolg macht Amazon zum mit Abstand wertvollsten internetbasierten Unternehmen der Welt. Mit einem Börsenwert von knapp 1,6 Billionen Dollar lässt es sein chinesisches Pendant Alibaba (rund 777 Milliarden Dollar) weit hinter sich. Auf den Plätzen folgen Prosus, das Anteile an Tencent und Delivery Hero hält, Shopify und JD.com, die Nummer Zwei im chinesischen Onlinehandel, mit deutlichem Abstand.

Der Erfolg der Plattform spiegelt sich nicht allein im Unternehmenswert wider. So schaffte Amazon 2020 auch den Sprung zur meist heruntergeladenen Shopping-App auf Smartphones und Tablets. Auf 169 Millionen Downloads kann das Unternehmen zurückblicken, wobei ein Viertel davon allein auf das Konto US-amerikanischer Nutzer geht. Ohnehin sind Smartphone-Nutzer eine wichtige Zielgruppe für den E-Commerce. 55,4 Prozent der Käufe im Internet wurden 2020 per Smartphone getätigt. Shopping-Apps gelten dabei bei iOS-Nutzern als beliebter als bei Android-Nutzern.

Doch auch neuen Herausforderungen muss sich Amazon stellen. Während die Umsätze und der Unternehmenswert 2020 stark anstiegen, sank gleichzeitig der Marktanteil. Während Amazon 2019 noch für 49,4 Prozent der E-Retail-Umsätze verantwortlich war, betrug der Anteil 2020 nur noch 31,4 Prozent. Immer mehr Konkurrenten können aufschließen und das vorhandene Wachstumspotenzial nutzen. Dabei zeigen Nutzerdaten und Befragungen, wo die größten Baustellen und Chancen für E-Commerce-Unternehmen liegen.


Dank Corona: Umsatzrekorde im Onlinehandel gebrochen



Nicht jeder Artikel, der im Warenkorb landet, wird am Ende auch gekauft. Verschiedene Studien haben ermittelt, dass die Rate der nicht gekauften Produkte bei erstaunlich hohen 50 bis 80 Prozent liegt. Einen klaren Hinweis auf die Ursache gibt der Bericht des American Customer Satisfaction Index: Seit dem Jahr 2013 waren die Käufer im Internet noch nie so unzufrieden wie 2020. Dabei geben 53 Prozent der von Bloomreach befragten Käufer an, dass eine schlechte Einkaufserfahrung schon einmal dazu geführt hat, dass sie bei einem Verkäufer nicht mehr bestellt haben.

Doch was sind die Baustellen, mit denen sich Shopping-Portale auseinandersetzen müssen, um ihre Kunden nicht zu verlieren? Am wichtigsten sind die Extrakosten. Zu hohe Gebühren für den Versand sowie Steuern veranlassen ganze 49 Prozent der Nutzer dazu, den Einkauf abzubrechen. Gleichzeitig geben jedoch auch 50 Prozent an, dass sie für eine bessere Erfahrung beim Online-Shopping sogar grundsätzlich mehr bezahlen würden.

Preispsychologie ist somit ein entscheidender Faktor. Jedoch geben vor allem die weiteren Plätze darüber Aufschluss, woran E-Commerce-Anbieter wirklich arbeiten müssen. Einen Account erstellen zu müssen, schreckt 24 Prozent der Nutzer ab. Zu lange Lieferzeiten sind ein No-Go für 19 Prozent, 18 Prozent haben zudem genug von zu komplizierten Bestell- und Zahlungsabläufen. Wenn Shopbetreiber an den "kleineren" Baustellen arbeiten und das Shopping-Erlebnis verbessern, kann sich auf lange Sicht auch das Hauptproblem der zu hohen Zusatzkosten in Luft auflösen.

Wie neue Generationen die Shoppingwelt verändern



Online-Shopping ist ein Phänomen, das vor allem junge Leute in den letzten Jahren groß gemacht haben. Allein in den USA shoppen etwa 86 Prozent der sogenannten Millennials online. Je älter die Jahrgänge sind, desto geringer ist der Anteil der Online-Käufer. Bestimmt wird der Markt jedoch mehr und mehr von der jüngeren Gen Z, also den Menschen, die vor 1997 geboren wurden.

Einen großen Teil ihrer Online-Zeit verbringen junge Menschen auf Social Media. Dabei bieten die Netzwerke interessante Möglichkeiten, um Profile mit Online-Shops zu verknüpfen – oder lassen ihre Nutzer direkt auf der Website shoppen. So haben schon 58 Prozent der Gen-Z-Nutzer über Social Media Artikel bestellt, wobei Instagram meist die bevorzugte Plattform ist. Der Anteil der Millennials, die über Social Media shoppen, beträgt dagegen nur noch 45 Prozent. Wer die junge Generation erreichen will, kann daher auf die Social-Media-Integration seines Shops nicht verzichten.

Sich in Social Media breit aufzustellen, dient jedoch nicht nur dem einfacheren Bestellen. Noch immer nimmt das Informieren und Vergleichen im Online-Shopping einen hohen Stellenwert ein. Drei von vier Nutzern vergleichen vorher auf Facebook, Instagram und Co, aber auch auf Marktplätzen wie Amazon und eBay. Wer überall aktiv ist, erhöht seine Verkaufschancen. Nach Informationen von Shopify kann das Bewerben und Anbieten auf mehreren Plattformen in Kombination mit einer hervorragenden Suchmaschinenoptimierung die Umsätze um bis zu 190 Prozent erhöhen.

Spannende Entwicklungen im Rest der Welt



E-Commerce spielt sich nicht nur in den USA und Kanada, Mitteleuropa sowie China ab. Online-Shopping ist ein weltweites Phänomen. Auch in Südamerika, Afrika und Südostasien steigen die Umsätze. Die Wachstumsraten können hierbei dank der hohen Verbreitung von Smartphones und des jungen Altersdurchschnitts auf dem südlichen Teil des Erdballs noch ungeahnte Ausmaße annehmen.

In Ländern wie den USA steigerte der Onlinehandel seinen Umsatz 2020 stark. Der wahre Sieger ist jedoch Südamerika. Auf dem Kontinent wuchs der E-Commerce im ersten Jahr der Corona-Pandemie um sage und schreibe 36,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und übertraf damit den weltweiten Durchschnitt von 27,6 Prozent deutlich. Unter den größten E-Commerce-Nationen nimmt Brasilien derzeit schon den zehnten Platz ein.

Doch auch beispielsweise in Malaysia ist der Onlinehandel stark. Rund 83 Prozent der jungen und stetig wachsenden Nutzergemeinde im südostasiatischen Land haben schon einmal online bestellt, ähnlich ist die Zahl mit 80 Prozent im benachbarten Singapur. Auch auf den Philippinen – mit 110 Millionen Einwohnern einer der größten Staaten der Erde – shoppen circa 80 Prozent der Internetnutzer online. Auf dem Archipel ist das Shoppen im Internet auch fernab der jungen Generation beliebt. Die größte Gruppe der Online-Einkäufer machen die 35- bis 44-Jährigen aus.

Warum ist das wichtig? E-Commerce wird immer mehr ein globales Phänomen. Waren unbedingt im eigenen Land zu bestellen, verliert immer mehr an Bedeutung. Ganze 55 Prozent der Nutzer kauften 2020 ein Produkt aus einem anderen Land, wie eine Erhebung von Forbes zeigt. Der Umsatz aus grenzüberschreitenden Verkäufen stieg dabei um 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Sinkende Zollbarrieren und immer schnellere Lieferungen machen es attraktiver, auch außerhalb der Landesgrenzen zu bestellen.

Wer online erfolgreich sein will, darf die größten und wachsenden Märkte somit nicht außer Acht lassen. Nur so gelingt es, von den rasant steigenden Umsatzzahlen im globalen E-Commerce zu profitieren. Die Pandemie galt dabei als Boost für viele Unternehmen und Branchen, die jedoch auch vor 2020 schon stark wuchsen. Angesichts des noch immer in vielen Ländern kleinen Anteils des Onlinehandels am Gesamtvolumen und der zahlreichen Möglichkeiten sind auch in Zukunft extreme Umsatzsteigerung im Onlinehandel mehr als wahrscheinlich.